KOMUNIQUÉ ZUR ALLGEMEINEN TRISTESSE

Mainz im September 2017.

Seit den den Auseinandersetzungen im Schanzenviertel während der G20-Proteste in Hamburg sind 62 Tage vergangen. 1488 Stunden. 89280 Minuten. 5356800 Sekunden.

Seitdem wütet in Deutschland der “Kampf gegen Linksextremismus”. Und zufällig auch der Wahlkampf.

Ein Wahlkampf, der die Gesellschaft, die wir kennen grundlegend verändert.

Es ist normal darüber zu sprechen, Kameras flächendeckend mit Gesichtserkennung auszustatten, um “Straftäter besser zu verfolgen”.

Es ist normal, Webseiten ohne Gerichtsbeschluss per Dekret zu verbieten.

Es ist normal, wenn SEK-Beamte mit Maschinengewehren angemeldete Kundgebungen begleiten.

Es ist normal, wenn Polizeibeamte Leuten mit dem Schlagstock auf den Kopf schlagen.

Es ist normal, dass ein Minister Schüler_innen abrät gegen Nazidemos zu protestieren, weil das “die Bürger verunsichern”, oder “Deutschland in ein schlechtes Licht rücken” könnte.

Es ist normal, dass derselbe Minister Informationen im Fall NSU vertuscht hat.

Es ist normal, wenn jedes kleine Ereignis zur Bedrohung für Staat und “Demokratie” erklärt wird.

Es ist normal, wenn Leute wochenlang in U-Haft sitzen, weil sie eine Schwimmbrille und Pfefferspray dabei hatten.

Es ist normal, wenn andere Leute zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt werden, um ein Exempel zu statuieren.

Es ist normal, dass eine ganze Bewegung pauschal kriminalisiert und vorverurteilt wird.

Es ist normal, dass alle sich freuen, dass “endlich mal jemand durchgreift.”

Es ist nicht normal, dass Leute Angst kriegen. Angst um sich und ihre Freiheit. Angst davor, dass nächstes Mal sie diejenigen sind, bei denen es morgens an der Tür klopft, bevor sie eingetreten wird.

Es sind immer die anderen, die von dem Durchgreifen betroffen sind.

Geflüchtete. Arme. Wohnungslose. Und seit neuestem auch verstärkt die Linke Bewegung. Was mit “denen” passiert ist nicht wichtig, solange es “uns” nur gut geht.

Es wäre zu viel, einen deutschlandweiten Überblick über all die Scheiße zu verschaffen, die in den letzten 2 Monaten hier gelaufen ist. Das haben andere bestimmt ausführlicher und besser getan als wir es können. Konzentrieren wir uns auf Mainz.

Hier steht das Haus Mainusch seit Monaten unter Beschuss als “Hort des Linksextremismus”. Doch wer sollen denn diese Linksextremen sein?

Leute, die ihrer Wut über die Kündigung des Mietvertrages an den Wänden der Stadt und Uni kundtun? Andere bemalen Wände, weil es ihnen Spaß macht. Ist die Graffitiszene linksextrem?

Leute, die eine Infoveranstaltung zu den angemeldeten G20-Protesten im Mainusch gemacht haben? Tausende Demos finden jedes Jahr in Deutschland statt. Ist jeder Protest linksextrem?

Leute, die “die Grundsätze des Rechtstaates verachten”? Wow, Uli Hoeneß ist Linksextremer!

Leute, die gegen Nazis und andere menschenverachtende Gruppierungen auf die Straße gehen und damit ihre Freiheit und Gesundheit aufs Spiel setzen? Wie sollte man dann Menschen nennen, die das nicht tun?

Leute, die von einer besseren Welt träumen und die Verantwortung dafür selbst in die Hand nehmen, anstatt sie alle paar Jahre per Stimmzettel an andere zu delegieren? Besser als alle 4 Jahre von Neuem beschissen zu werden.

Der Linksextremismus ist eine bequeme Konstruktion, um unser Anliegen für eine solidarische, gerechte Welt ohne Diskriminierung pauschal zu diskreditieren. Um es anhand der Gewaltfrage und Ablehnung des status quo mit dem des Rechtsextremismus gleichzusetzen. Es wurde schon so oft gesagt, aber wir wiederholen es noch einmal: die Extremismustheorie ist ein politisches Kampfmittel und ideologische Konstruktion!

Konservative Mainzer Politiker_innen verfolgen genau diese Doktrin. Sie dulden auf ihren Facebookseiten Menschen, die von “SAntifa”, “Linksfaschismus”, “linken Nazis” etc. sprechen. Das ist nicht einmal besonders verwunderlich, denn sie verpacken die gleichen Gedanken einfach in gelecktere Phrasen und verkaufen sie als die Meinung der “demokratischen Mitte”. Diese “demokratische Mitte” erachtet Graffitis auf dem Campus als genauso schlimm wie Angriffe auf Geflüchtetenunterkünfte, denn es sei schließlich beides Gewalt. Linksextremismus = Gewalt = Rechtsextremismus. Das letzte Mal als wir geguckt haben, war die Zahl der Toten aufgrund von Naziangriffen wesentlich höher als die der Toten durch linke Graffitis…

Diese “demokratische Mitte” hasst Linke, hat aber keine Berührungsängste mit rechten Parteien.

Wenn diese “demokratische Mitte” real existierende rechte Gewalt verharmlost und relativiert und gleichzeitig linke Aktivitäten mit Terror gleichsetzt, dann läuft in dieser Demokratie was gehörig falsch. Und nur die wenigsten Leute tun was dagegen. Der Großteil der Gesellschaft möchte einfach nur seine Ruhe haben…

Dies ist die Geschichte einer Gesellschaft, die fällt. Und während sie fällt, sagt sie immer wieder um sich zu beruhigen: bis hierhin lief’s doch ganz gut. Bis hierhin lief’s doch ganz gut. Bis hierhin lief’s doch ganz gut… Aber wichtig ist nicht der Fall, sondern die Landung. (Zitat aus dem Film “La haine”)

Diesen Zustand können und werden wir nicht akzeptieren! Wir ecken an! Wir können dem autoritären Rechtsruck in der Gesellschaft nicht tatenlos zusehen!

Wir trauern nicht ums Haus Mainusch, denn es ist nur ein Gebäude. Das Mainusch wird von den Leuten gemacht, die auch mit einer Räumung nicht aus der Welt geschaffen werden.

Wir trauern nicht um Indymedia. Denn Menschen finden immer Wege, um miteinander zu kommunizieren.

Wir denken an unsere Gefangenen. Aber auch wenn sie eingesperrt sind – Ideen können es nicht werden.

Wir sind wütend auf eine Welt, die jeden Tag ein Stückchen autoritärer wird. Und auf die Leute, die diese Welt täglich sehen und sagen: “Das ist nicht mein Problem.”

Menschen aus dem Mainusch-Kollektiv, September 2017

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Solidaritätsdemo für mehr Kulturfreiräume

16.09.2017-Mainz Hbhf-14:00
startet die Solidaritätsdemo für mehr Kulturfreiräume;
und auch das Mainusch ist mit von der Partie:
in einem großartig schillernden Mainusch-Block
unvergleichlicher Kulturbeschaffenheit
werden auch wir die Straßen von Mainz beglücken –
die Straßen jener Stadt, die selbstverwaltete
und selbstorganisierte Projekte gerade von der
Bildfläche zu fegen droht.
Glitzer-Glitzer-Bäm!-Bäm!
Dagegen tanzen wir selbstverständlich in voller Pracht an
- tanzt mit!

https://www.evensi.com/solidaritatsumzug-fur-mehr-freiraume-fur-musik-und/219484086

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Aktuelle Erklärung des Haus Mainusch Kollektivs zum Abbruch der Verhandlungen um einen neuen Standort des selbstverwalteten Kultur- und Kommunikationszentrums

Haus Manusch aktuell: Universitätsleitung bricht Verhandlungen ab

Am 24 Juli teilte die Kanzlerin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz dem Kollektiv Haus Mainusch per Email den Abbruch der Verhandlungen um einen neuen Standort mit. “Wie wir bereits in unseren Gesprächen deutlich gemacht haben, gibt es keine Möglichkeit des längerfristigen Verbleibs am Standort, der für das künftig gemeinsam von JGU und Hochschule Mainz zu nutzenden Medientechnikhaus gebraucht wird”, heißt es in der Email. Zu den Verhandlungen über einen neuen Standort für den Verein Haus Mainusch schreibt die Kanzlerin: “Über Möglichkeiten zur Herstellung von Räumen, die von der Studierendenschaft für Veranstaltungen auf dem Campus genutzt werden können, werden wir mit dem AStA und der Landesregierung weiterhin im Gespräch bleiben. Welche Möglichkeiten sich hieraus für die Aktivitäten Ihres Vereins ergeben werden, wollen Sie bitte wie bisher mit dem AStA als Ihrem möglichen Vertragspartner klären.” Somit erklärt die Universitätsleitung, dass keine weiteren Verhandlungen mit dem Haus Mainusch erfolgen werden. Statt direkte Gespräche mit Uni und LBB zu führen, wird der Verein von den Verhandlungen ausgeschlossen. Allein dem AStA (Allgemeiner Studierendenausschuss), vorheriger Vermieter des selbstverwalteten Kultur- und Kommunikationszentrums auf dem Campus, bleibt es überlassen über Nutzungsmöglichkeiten von Räumen für die Studierendenschaft zu verhandeln.

Diese Entscheidung drückt den Unwillen der Universitätsleitung aus, das seit 1988 bestehende selbstverwaltete Kommunikationszentrum in seiner Selbstständigkeit aufrecht zu erhalten. Das Haus Mainusch soll wie andere Hochschulgruppen auch mit der Möglichkeit, Konzerte in AStA-Räumlichkeiten veranstalten zu können, abgespeist werden. Denn wer wie im Falle der Universitätsleitung, nach einem ersten Angebot auf einen potentiell neuen, aber unpassenden Standort (der von Seiten des Kollektivsa begründet und freundlich abgelehnt wurde) die Gespräche abbricht, hatte von vornherein kein Interesse an einem ergebnisoffenen Prozess und einer gemeinsamen Lösung. Deutlich zeigt sich auch, dass die Universitätsleitung kein Interesse daran hat, den Prozess eines Standortwechsels offen und gemeinsam zu gestalten. Das zeigte sich unter anderem durch das späte Zugehen auf das Kollektiv Haus Mainusch. Auf unsere Kooperationswilligkeit wurde nicht eingegangen. Die Bereitschaft der Universitätsleitung zu Gesprächen muss im Nachhinein als heuchlerisch und bewusst irreführend bezeichnet werden. Die Uni ist also nicht bereit, ihre Prioritätensetzung zu überdenken und konstruktiv an Lösungen zu arbeiten und setzt nun voll und ganz auf eine offene Machtpolitik.

Klar für uns ist: Wir lassen das Haus Mainusch nicht einfach abreißen
und durch ein Medienhaus ersetzen und uns in alle Winde zerstreuen. Wir wollen und werden erhalten, was über die letzten fast 30 Jahre aufgebaut wurde: Politische Veranstaltungen, Konzerte, Partys, Küche, gute Gespräche, ein möglichst horizontales Miteinander, Schutzraum vor Diskriminierung – selbstverwaltet und alles an einem Ort.
Wir rufen alle darin Verbündeten dazu auf, uns bei dem Erhalt des Haus Mainusch auf dem Campus der Universität Mainz zu unterstützen.

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Die Uni antwortet – und bricht Verhandlungen ab!

Die Antwort der Uni auf unseren offenen Brief:
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“Sehr geehrte Damen und Herren,
vielen Dank für Ihre Nachricht vom 13. Juli, die ich leider erst heute beantworten kann. Ihre Bewertung des Standorts am Dalheimer Weg habe ich zur Kenntnis genommen und werde den LBB sowie die Ministerien darüber informieren. Wie wir bereits in unseren Gesprächen deutlich gemacht haben, gibt es keine Möglichkeit des längerfristigen Verbleibs am Standort, der für das künftig gemeinsam von JGU und Hochschule Mainz zu nutzenden Medientechnikhaus gebraucht wird.
Über Möglichkeiten zur Herstellung von Räumen, die von der Studierendenschaft für Veranstaltungen auf dem Campus genutzt werden können, werden wir mit dem AStA und der Landesregierung weiterhin im Gespräch bleiben. Welche Möglichkeiten sich hieraus für die Aktivitäten Ihres Vereins ergeben werden, wollen Sie bitte wie bisher mit dem AStA als Ihrem möglichen Vertragspartner klären.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Waltraud Kreutz-Gers”
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Selten funktioniert Bürokratie schneller: nur wenige Tage nach der Veröffentlichung unseres offenen Briefes an die Kanzlerin kam Montag ihre Antwort. Diese ist leider ernüchternd. Wir werden de facto von den Verhandlungen ausgeschlossen und die Uni will sich nun mit dem AStA über mögliche “Veranstaltungsräume für die Studierendenschaft” unterhalten, die dann evtl. dem Verein zur Verfügung gestellt werden könnten.
Was genau das für uns bedeutet, werden wir in den nächsten Tagen noch diskutieren müssen. Fest steht: aus Gesprächen zwischen einer Unileitung, die uns weggentrifizieren will, und einem AStA, der teilweise aus Gruppen besteht, die in offener Feindschaft mit dem Mainusch stehen, kann für uns wohl nichts Gutes herauskommen.
Es bleibt spannend. Nach einem trägen trüb-regnerischen Sommer bahnt sich ein heißer Herbst an. Wir halten euch auf dem Laufenden!

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Offener Brief an die Kanzlerin

Hallo Leute,

sehr viele von euch fragen, wie das nun so aussieht mit dem Fortbestand des Mainuschs, den Verhandlungen mit der Uni usw. Daher ein Update an euch alle: die Uni hat uns vor einigen Wochen (mittlerweile wohl schon Monaten) bei den Gesprächen vage die Möglichkeit eines Ausweichobjektes am Dalheimer Weg (großer Uniparkplatz Richtung FH, da wo der Feldweg ist) erwähnt. Wir haben uns entschlossen, diese Möglichkeit auszuschließen. Die Gründe dafür entnehmt ihr unserem offenen Brief an die Kanzlerin. Schickt ihn gern weiter an Leute, AZs, teilt ihn bei Facebook, sprecht darüber mit euren Freund*innen und macht beim Kampf ums Mainusch mit!

Alles Liebe, wir sehn uns.
die Mainusch-Leute

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Sehr geehrte Frau Kreutz-Gers,

wir haben Ihnen am 27.06. mitgeteilt, dass der Dalheimer Weg für uns nicht als Alternativstandort für das Haus Mainusch in Frage kommt.

Wir möchten an diese Information anschließen und Ihnen im Folgenden einige Voraussetzungen nennen, die ein Ausweichobjekt und ein neuer Mietvertrag unserer Meinung nach erfüllen sollte. Dadurch erhoffen wir uns, den Prozess effizienter und für alle Seiten zufriedenstellender zu gestalten.

Zunächst möchten wir anmerken, dass unsere Priorität weiterhin darin besteht, das Haus Mainusch am aktuellen Standort zu erhalten. Wie wir Ihnen schon dargelegt haben, werden durch den Umzug fast 30 Jahre Geschichte von selbstorganisiertem Engagement verloren gehen. Das schließt zahlreiche Erinnerungen von Menschen an diesem Ort, aber
auch die Spuren dieser Menschen in Umbau, Sanierung und Renovierung ein. Das schließt die Kenntnis vieler Menschen von diesem Ort ein, die immer noch, wenn sie in Mainz sind den Weg dorthin finden. Das schließt die einzigartige Weise ein, wie dieser Raum als Zentrum nutzbar gemacht wurde und genutzt wird. Kein neues Objekt ist auf einer emotional-historischen Ebene mit dem aktuellen Ort vergleichbar.

Auch ein vergleichbar guter Standort mit Anbindung an den Campus, den AStA und die Stadt, konnten Sie uns in unseren bisherigen Gesprächen nicht in Aussicht stellen. Dieser ist jedoch essenziell für unsere Arbeit als Kommunikationszentrum.

Da Ihr Interesse jedoch im Bau des Medientechnikhauses an unserem Standort liegt, möchten wir Ihnen unsere wichtigsten Voraussetzungen für ein anderes Gebäude darlegen. Diese sind im Folgenden:

→ *Lage auf dem Zentralcampus* (Areal zwischen Dalheimer Weg, Albert-Schweitzer Str., Wittichweg und Staudingerweg) – wir sind ein Ort, der von vielen Studierenden genutzt wird. Von daher ist ein Objekt auf dem Campus für die Nutzer_innen des Haus Mainusch essenziell.

→ Mindestens gleiche Fläche mit gleichen Nutzungsmöglichkeiten – besonders ist hier die Möglichkeit der Einrichtung einer Küche als herausragend wichtig zu nennen.

→ Barrierefreier Zugang – insbesondere zu den Sanitäranlagen und Büro.

→ Ein freistehendes Gebäude mit einem gestaltbaren Außenbereich

Desweiteren sind uns einge Dinge in Bezug auf einen neuen Mietvertrag wichtig:

→ Ein Bleiberecht in dem neuen Projekt für mindestens 30 Jahre.

→ Ein nahtloser Übergang ist für das Bestehen des Projekts
unabdingbar.

→ Wir möchten zukünftig so früh wie möglich über Baupläne
informiert werden.

→ Wir möchten die Möglichkeit der Unterbringung von Gästen (bspw. tourende Bands) im Mietvertrag zugesichert bekommen – dies wäre beispielsweise in Form von einer kleinen Bauwagensiedlung vorstellbar.

→ Schließlich ist es uns wichtig über die Kosten des forcierten
Umzugs zu reden, für den zB mindestens ein LKW angemietet werden müsste, da der Verein selbst keinen besitzt. Weitere Kosten sind ebenfalls vorstellbar und können nicht vom Verein allein getragen werden.

Wir hoffen, diese Punkte unterstützen Sie bei der Prüfung von möglichen Ausweichalternativen.

Wir freuen uns über eine Rückmeldung Ihrerseits, gern in Form eines Terminangebots für ein Gespräch.

Gleichzeitig möchten wir Sie darüber informieren, dass dieses Schreiben in Form eines offenen Briefes von uns im Internet publiziert und auch an die Presse weitergeleitet wird. Wir haben in der letzten Zeit sehr viele Anfragen bezüglich der aktuellen Situation und den Aussichten der Verhandlungen erhalten – dem öffentlichen Bedürfnis nach Informationen möchten wir auf diesem Wege genüge tun.

Mit freundlichen Grüßen
das Haus Mainusch-Kollektiv

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Achtung – Burschenschaften auf dem Campus!

Besonders zu Semsterbeginn versuchen Burschenschaften für neue Mitglieder auf dem Campus zu werben.

Burschenschaften sind die reaktionärste Form von Studentenverbindungen. Sie sind männerbündisch organisiert, was den völligen Ausschluss von Frauen* bedeutet, außer zu Anlässen wie beispielsweise Bällen oder ähnlichem. Frauen* fungieren hierbei als schmückendes Beiwerk des verbindungsstudentisch organisierten Mannes*. Entstanden sind Burschenschaften im 19. Jahrhundert; sie waren ein maßgeblicher Teil der deutschen Nationalbewegung. Daher nehmen Burschenschaften häufig für sich in Anspruch, Vorkämpfer der Demokratie in Deutschland gewesen zu sein. Ihr Wahlspruch („Halt faß am Rich!“) verrät jedoch die Nähe der Germania zum Deutschen Kaiserreich. Zudem zeigen der Ausschluss von Frauen*, die strikte interne Hierarchie sowie die Deutschtümelei den sexistischen, nationalistischen und antidemokratischen Charakter von Burschenschaften.

„Nation“ wird in Burschenschaften völkisch-rassistisch verstanden:

Nicht der Pass bestimmt über die Nationenzugehörigkeit, sondern die Blutlinie. Die Idee des Volkes ist die eines monolithischen Gebildes, das sich gegenüber anderen Völkern territorial, kulturell und phänotypisch abgrenzt. Die Analogien zur Blut-und-Boden-Ideologie des Nationalsozialismus sowie zum sog. Ethnopluralismus der NPD liegen auf der Hand.

Burschenschaften folgen dem Lebensbundprinzip, das eine lebenslange Mitgliedschaft und keine Form des Ausstiegs vorsieht. „Alte Herren“ bilden Seilschaften zu den Studenten und sorgen für Schulungen, um Burschenschafter auf ihr nationalistisches bis rechtskonservatives Weltbild einzuschwören. Aussteiger aus Burschenschaften berichten von gezielter sozialer Isolierung der Neumitglieder, um sie enger an die Gruppe zu binden.

Es liegt an uns allen, die Rekrutierungsversuche der Burschis zu vereiteln. Abhängen, abkleben und entsorgen ihrer Propaganda ist der erste Schritt um sich an der Uni gegen Burschenchaften zu positionieren. (Aber Vorsicht: Es waren schon Rasierklingen hinter rechten Stickern angebracht zur Verletzung derjenigen, die sie abmachen wollten.)

Für Nationalismus und Männerbündelei darf weder auf dem Campus, noch irgendwo sonstwo auf der Welt Platz sein!

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Hallo Herr Dr. Krausch

Normalerweise lesen wir nicht Campus Mainz, deshalb hat es etwas länger gedauert, bis wir gesehen haben, dass wir mit der „geringe[n] Attraktivität des Campus“ in Verbindung gebracht werden.

Eine Auffassung, die uns ein bisschen traurig macht. Das Haus Mainusch ist ein Ort der Kultur, der Kommunikation. Also eigentlich sehen wir uns als sehr attraktiv an. Im Gegensatz zu all diesen hässlichen grauen Blöcken, die neu gebaut wurden hat das Haus Mainusch zudem noch Charme. Natürlich würden wir trotzdem nicht auf den Gedanken kommen Sachbeschädigung zu verursachen. Auf dem Campus gibt es immer schon Graffiti, und es wird sie wohl auch immer geben, wie überall sonst auch.
Vermutlich, weil Farbe und Gestaltung von Außenwänden Geschmackssache ist.

Uns ist in Ihrem Statement aufgefallen, dass nur “Haus Mainusch bleibt” Tags angesprochen werden. Ob das auch was mit Geschmackssache zu tun hat? Oder ob hier vermutet wird, dass Karies, Tesa, Rakis oder irgendwelche der vielen anderen Künstler_innen, auch Teil des Haus Mainusch sind? Schön wär’s.
Vielleicht haben Sie die auch einfach nur übersehen. Auf Wunsch können wir ein Album zusammenstellen mit den schönsten Wandbildern des Campus.

Wie Sie vielleicht (noch nicht) wissen, steht das Haus Mainusch für Selbstverwaltung, deswegen freut es uns ungemein, dass Sie Herr Krausch sich jetzt auch mit dem Gedanken des DIY anfreunden und die Studierendenschaft zum Campus putzen eingeladen haben. Falls sie noch nach dem passenden Putzmitteln suchen: Bei Aldi gibt es Nagellackentferner für 1,50€. Wir wollen das Uni-Budget nämlich ebenfalls so wenig wie möglich belasten. Deswegen unterstützen wir die Aktion CamPutz vollumfänglich und werden gerne daran teilnehmen und rufen auch die Menschen, die unser Haus besuchen dazu auf, fröhlich
und kreativ mitzumachen!

P.S.: Die angesprochene Verpflegung sollte vegan sein, sonst haben wir nicht genug Kraft den Putzschwamm zu halten.

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Hiermit erklärt sich das Haus Mainusch aber hallo mal solidarisch mit der Friedel 54!

Heute, am 31.03. läuft die Duldung der Friedel 54 in Berlin aus. Das bedeutet, dass ab jetzt jederzeit geräumt werden kann. Wir vom Mainuschkollektiv finden zum Kotzen wie die Stadt Berlin sich verkauft. Schon seit der Räumung der Mainzer Straße fragen sich Menschen vom und ums Mainusch, was ist denn los mit euch? Aber Hauptstadt schützt vor Kackscheiße nicht. Das gibt’s überall.

Don’t worry, its only Gentrification.
“Der Prozess der Gentrifizierung ist abgeschlossen, wenn die Bevölkerungsstruktur eines Stadtteils praktisch vollständig ausgewechselt worden ist.”
In Berlin sind über 10.000 Menschen Obdachlos. Mehr als 400.000 Menschen sind aktuell von der “Stadtaufwertung” Berlins betroffen. Die Friedel ist ein Kiezladen. Das ist Selbstverständnis und politischer Schwerpunkt. Inzwischen auch, weil die Friedel dazu gezwungen ist. Denn nach der Kündigung blieb nur die Besetzung. Dabei ist der Friedel 54 etwas gelungen, was vielen Projekten dieser Art nicht gelungen ist oder gelingt. Anwohner*innen zu helfen, dabei von ihnen nicht nur akzeptiert zu werden sondern auch Freundschaften zu entwickeln. Die Mieter*innen hab sich mit der Friedel solidarisiert und anders herum, dadurch konnte dem gnadenlosen Wohnungsmarkt in Berlin etwas entgegengesetzt werden. F54 ist ein Beispiel dafür, dass wir alle leben wollen und es sehr wohl möglich ist, “Bürgis”, “Stinos”, “Normalos” zu erreichen und mit ihnen etwas zu erreichen. Wenn eine radikale Linke eben dieses auch ist und nicht nur sein möchte, wenn Anarchismus kein Riotpornprojekt ist, wenn es scheißegal ist ob du “Szenestyle” hast und wenn du da mitmachen willst, dann geh mal hin.
In der Friedel ist es schön, außerdem gibt es zwei Tischkicker. Mach dich doch selbst kaputt Berlin!
https://friedel54.noblogs.org/…/…/finanzielle-unterstutzung/

In einer Welt der Verdrängungsprozesse bleibt uns nur die Solidarität und der gemeinsame Kampf. Friedel bleibt, Haus Mainusch sowieso.

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Stellungnahme zur aktuellen Situation

Ende Januar 2017 kündigte die Universitätsleitung den Mietvertrag des Haus Mainusch.
Das Haus Mainusch ist ein schon seit 1988 bestehendes selbstverwaltetes Kultur- und Kommunikationszentrum. Die Kündigung kam für die Nutzer*innen unerwartet. Noch im letzten Jahr sah das Präsidium angesichts des auslaufenden Vertrags keinen Gesprächsbedarf. Das Bauvorhaben für das Medien/Technikhaus, von der Universitätsleitung als Kündigungsgrund angeführt, besteht jedoch mindestens seit 2012.

Im Sommer 1988 wurde auf dem Unicampus das ehemalige Professorenhaus im Staudingerweg besetzt. Kurz darauf vermietete die Uni das Gelände dem AStA, der es einem für die Nutzung gegründeten Verein überließ. Dieser Vertrag blieb bis 2012 bestehen. Den Nutzer*innen des Haus Mainusch gelang es durch lange Verhandlungen zwar einen neuen Mietvertrag herauszuschlagen, allerdings bloß mit einer vorläufigen Laufzeit von 5 Jahren inklusive Mieterhöhung.
Auf Anfragen zu Gesprächen über die Zukunft des Mietverhältnisses ging die Uni Mitte 2016 nicht ein. Bei einem Telefonat mit der Immobilienverwaltung gab es die Aussage, dass alles weiter bestehen bleibe. Daher gingen die am Haus Mainusch mitwirkenden Studierenden zunächst davon aus,dass sich auch dieser Vertrag automatisch verlängern würde. 

2015 schon wurde das Wohnheim Inter I auf dem Nachbargrundstück zum Haus Mainusch geräumt. Es war das letzte mit dem BAFöG-Mietsatz bezahlbare Wohnheim in Mainz und neben dem Inter II der einzige studentische Wohnraum auf dem Unicampus. Hiermit wurden die ersten Pläne des Landesbetriebes LBB und der Universität für das Medien/Technikhaus umgesetzt. Gleichzeitig bedeutete dies die Verdrängung der Studierenden des Inter I vom Uni-Campus. Aktuell wurde jedoch festgestellt, dass sich das Bauvorhaben in dem ehemaligen Wohnheim nicht realisieren lässt. Als Ergebnis benötigt die Uni jetzt auch das Gelände des Haus Mainusch.
Zuvor war nur das Gelände des Wagenplatzes im Gespräch. Das Medien/Technikhaus ist bei weitem nicht das einzige millionenschwere Bauprojekt auf dem Campus. Im Zuge ihrer Exzellensbestrebungen ist die Universität dabei, jede Ecke des Campus grund zu sanieren. Die Prestigeprojekte führen nicht zum ersten Mal zur Verdrängung selbstverwalteter und oder kostengünstigerr Infrastruktur.

Im Januar übermittelte der AStA den Nutzer*innen des Haus Mainusch die Ankündigung der Unileitung, den Vertrag nicht verlängern zu wollen. Die Unileitung sei aber zu einem Gespräch bereit. Das darauf folgende Treffen war in keiner Weise ergebnisoffen. Die Unileitung legte ihre Pläne dar, Bürogebäude und Medien/Technikhaus genau auf dem Standort des Haus Mainusch zu platzieren. Den von uns vorgebrachten Argumenten für den Erhalt des Kultur- und Kommunikationszentrums an genau diesem Ort wurden dabei kein Gehör geschenkt.

Auf Grund seiner Symbolkraft und Geschichte ist das Haus Mainusch weder ersetzbar noch austauschbar. Das Haus, sein Garten, der Anbau und das Gelände drumherum haben sich in fast dreißig Jahren Selbstverwaltung einzigartig weiterentwickelt. Hinter jeder räumlichen Anordnung im Haus Mainusch steckt ein Stück der Geschichte studentischer Selbstorganisation. Dass das Haus Mainusch bis heute an eben diesem Ort weiterbesteht und immer noch selbstverwaltet ist, bedeutet für seine Nutzer*innen eine dauerhafte Auseinandersetzung mit und Wertschätzung seiner Geschichte. Kein alternativer Standort könnte das Haus Mainusch als Ort studentischer Arbeit, der gleichzeitig mit Leben und einer Vielzahl selbstorganisierter Verantstaltungen gefüllt ist, ersetzten. Neben dem AStA-Gebäude und der Mensa gelegen ist das Haus Mainusch auch gleichzeitig eine Alternative zu beiden: es bietet den Nutzerinnen und Nutzern sowohl die selbstbestimmte Beteiligung an politischer Mitsprache auf dem Campus, als auch eine niedrigschwellige Anlaufstelle.

Wegen der intransparenten und unkommunikativen Haltung der Uni in Bezug auf den Mietvertrag des Haus Mainusch, mussten sich die Nutzer*innen zunächst darüber klar werden, ob weitere Gespräche überhaupt sinnvoll erscheinen. Die Intransparenz bezüglich der baulichen Veränderung und Umstrukturierung des Unicampus ist kein neues Phänomen. Sie bedroht nun zum wiederholten Male selbstorganisierte und kostengünstige studentische Infrastruktur, die sich noch bis vor wenigen Jahren auf dem Campus der Uni Mainz gehalten hatte. Wir, die Nutzer*innen des Haus Mainusch haben nun aus diesem Grund die konkreten Baupläne sowohl für unser Grundstück als auch für den gesamten Campus gefordert. Die Offenlegung der Pläne ist nicht nur im Rahmen des Fortbestehens des Haus Mainusch von Bedeutung, sondern allgemein im Interesse aller Studierender. Wir wünschen uns mehr Mitsprache und Transparenz bei der baulichen Umgestaltung und Veränderung des Campus. Sie darf nicht in die Verdrängung der letzten, weniger profitorientierten Orte auf dem Unicampus münden.

Wir sind bereit weitere Gespräche zu führen. Klar ist jedoch: Mainusch muss bleiben!
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