In anderen Zusammenhängen gefallene Sexismusvorwürfe haben jemandem aus dem Haus-Umfeld zum Nachdenken über Frauen in Konzertgruppen gebracht. So entstand dieser Text, der uns mit Bitte um Veröffentlichung gegeben wurde, welcher wir gerne nachkommen:

Ich selbst bin eine Frau, besuche seit Jahren Konzerte, Festivals und organisiere solche selbst mit anderen Menschen. Für mich ist dabei egal, ob ich hinter der Theke stehe, koche und backe oder Einlass mache. Doch dabei bleibt es meistens auch. Natürlich könnte an dieser Stelle der Einwand kommen, dass ich auch andere Bereiche wie Technik, Tür, Bandkontakt etc. in Konzertgruppen einnehmen könnte. Aus Erfahrung muss ich leider sagen, dass dies nicht so einfach möglich ist, wie es vielleicht auf den ersten Blick scheint.

Mit diesem Text habe ich folgendes Anliegen: Ich kenne Frauen*, die gern die oben genannten Aufgaben bei Konzerten übernehmen möchten, doch denen es an Erfahrung, eigenem Zutrauen und vorhergehender Einführung fehlt. Hierzu sollte gesagt sein, dass Dinge, die mensch noch nie gemacht hat und die nicht selbsterklärend sind, erst gelernt werden müssen. Manche Menschen können diese Erfahrungen bereits (mit/durch/über Freund*innen) in jungen Jahren machen und andere kommen aus unterschiedlichen Gründen erst spät dazu. Ich habe mir viele Jahre nicht zugetraut, bestimmte Aufgaben wie Booking und Technik in die Hand zu nehmen. Das lag zum einen daran, dass andere Menschen das besser konnten und zum anderen, weil es keine Möglichkeiten gab, sich dieses Wissen anzueignen. So blieb es bei Sachen, die ich gut konnte. Durch ein paar sehr tolle Menschen hat sich das grundlegend geändert und dank ihrer Unterstützung, Workshops, Austausch, Empowerment etc. traue ich mir nun mehr zu.

Was ich mir wünsche, ist, dass ihr euch und eure eigenen Konzertgruppen auf folgendes überprüft und Gedanken darüber macht, ob/wie sich Frauen* (mehr) einbringen wollen/können.
– Wie viele Frauen* machen mit und welche Positionen übernehmen sie?
– Wie teilt ihr die unterschiedlichen Bereiche auf?
– Sind das selbstgewählte oder zugeschriebene Aufgaben?
– Machen alle alles und wenn nicht, welche Aufgaben sind stark männlich dominiert und wie könntest du/könntet ihr das ändern?
– Wer steht vor/während/nach Konzerten mit Künstler*innen/Bands in Kontakt bzw. kümmert sich um das Booking?
– Weiß ich/wissen wir, ob der Wunsch bei den Frauen* besteht, andere Bereiche kennen-zulernen?
– Biete ich/bieten wir Workshops (Technik/Ton, Tür, Awareness etc.) an, sodass sich die Frauen* in den ihnen unbekannten Bereichen ausprobieren können?
– Bin ich/sind wir alle bereit, Frauen* an meinen/unseren Erfahrungen (Technik/Ton, Tür, Künstler*innen- bzw. Bandkontakt etc.) teilhaben zulassen und bei Fragen stets offen zu sein?
– Unterstütze ich/unterstützen wir Frauen*, wenn sie sich einbringen wollen, überlasse/n ihnen gewünschte Aufgaben oder verschließen ihnen (unbewusst) bestimmte Bereiche?
– Beziehe ich/beziehen wir Kritik, Einwände etc. von Frauen* mit ein?
– Gebe ich/ geben wir Frauen* den Raum, eigene Erfahrungen zu machen?

Die Fragen könnte ich noch ausweiten, doch letztendlich möchte ich damit nur zum Ausdruck bringen: Nur weil Frauen* in Konzertgruppen aktiv sind, heißt das noch nicht, dass sie alle Aufgaben und Bereiche einnehmen. Theoretisch können sie es. Aus eigener Erfahrung kann ich jedoch sagen, dass (unsichtbare) verfestigte Strukturen und die (unbewusste) fehlende Reflexion darüber, Gründe für eine mangelnde Umsetzung in der Praxis sind.